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Die Sowjetunion 1917-1953: Dokumente

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Glossar

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administrative Gliederung - der Verwaltungsaufbau des Zarenreiches (Amtsbezirk, Kreis, Gouvernement) erfuhr nach der Revolution mehrere Neugliederungen; ihre Grundzüge sind aus ➡ Tabelle 2 im Anhang zu entnehmen; die Verwaltungseinheiten wurden dabei, wie folgt, übersetzt: oblast' - Gebiet, gubernija - Gouvernement, kraj - Gau, okrug - Distrikt, rajon - Rajon, uezd - Kreis, volost' - Amtsbezirk.
Allrussischer Rätekongreß - seit 1923 Allunionsrätekongreß, bis 1936 höchste Staatsautorität (so die Verfassungen von 1918 und 1923/24); in indirekter Wahl bestellt, trat er nach der Verfassung der UdSSR von 1918 mindestens zweimal, nach der Verfassung von 1923/24 einmal jährlich zusammen;
zwischen den Tagungen übertrug er die höchste Staatsgewalt dem ➡ Zentralen Exekutivkomitee; 1937 vom ➡ Obersten Sowjet abgelöst.
Arbeiter- und Bauerninspektion - russ. Abk. RKI, auch Rab-krin, staatliches Kontrollorgan 1920-1934; an der Spitze stand das Volkskommissariat für Arbeiter- und Bauerninspektion (Narkom RKI); die RKI war zuständig für die Kontrolle des Staats-, Wirtschafts- und Justizapparates; seit 1923 verbunden mit der ➡ CKK der Partei.
Außerordentliche Kommission - russ. Abk. CK, auch Allrussische Außerordentliche Kommission (VCK), im Dezember 1917 gegründetes Staatssicherheitsorgan (»zur Bekämpfung von Konterrevolution und Sabotage«), 1922 in die ➡ »Staatliche Politische Verwaltung« (GPU) des Volkskommissariats des Inneren überführt.
Bolschewiki ➡ kommunistische Partei
CK ➡ Außerordentliche Kommission
CK ➡ Zentralkomitee
CKK ➡ Zentrale Kontrollkommission
EKKI - Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (➡ Komintern).
Gebietsvereinigungen, auch Oblast-Vereinigungen - »spontaner« Zusammenschluß von Regionalräten während der Revolutionszeit, die ihre Autonomie auch gegenüber der Zentralregierung zu wahren suchten; sie überlebten die Zeit des Bürgerkrieges nicht.
GPU ➡ Staatliche Politische Verwaltung

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Kadetten - Bezeichnung ist von »Konstitutionelle Demokraten« (Abk. KD) abgeleitet; als »Partei der Volksfreiheit« 1905 gegründet, repräsentierten die Kadetten radikalliberales Bürgertum und Intelligenz; nach dem Sturz des Zarismus im Februar an der Provisorischen Regierung beteiligt, verloren sie nach der Oktoberrevolution, als »Konterrevolutionäre« eingestuft, schnell jegliches Betätigungsfeld.
Kandidaten, Kandidatur - Status vor der Vollmitgliedschaft in der Partei; im Statut von 1919 eingeführt, umfaßte die Kandidatenzeit zunächst nur wenige Monate; in den folgenden Jahren wurde sie, je nach Klassenzugehörigkeit des Bewerbers, auf l bis 3 Jahre ausgedehnt; 1939 wurde sie auf einheitlich l Jahr festgelegt.
Komintern - Abk. für Kommunistische Internationale (III. Internationale); im März 1919 auf Initiative Lenins in Moskau gegründet; fester Zusammenschluß der radikalen Linken unter der Führung der Bolschewiki; im Mai 1943 - während des Bündnisses der Sowjetunion mit den Westmächten - aufgelöst.
kommunistische Partei - hervorgegangen aus dem linken, bolschewistischen Flügel der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (russ. Abk. RSDRP), nach der Spaltung auf dem 2. Parteitag 1903; die Selbständigkeit der Organisation wurde seit 1912 durch den Zusatz Bolschewiki hinter dem Parteinamen betont (RSDRP/b); auf dem 7. Parteitag (März 1918) in Russische Kommunistische Partei/Bolschewiki (russ. Abk. RKP/b) umbenannt, was auf dem 14. Parteitag (Dezember 1925) in Allunionistische Kommunistische Partei/Bolschewiki (russ. Abk. VKP/b) geändert wird; auf dem 19. Parteitag (Oktober 1952) erhielt sie dann die heutige Bezeichnung Kommunistische Partei der Sowjetunion (russ. Abk. KPSS) ohne Zusatz.
Komsomol - russ. Abk. für Kommunistischer Bund der Jugend; 1917 gegründete sowjetische Jugendorganisation; seit 1924 führt man offiziell den Zusatz »leninistisch«, seit 1926 »allunionistisch« im Namen (daraus russ. Abk. VLKSM).
KPSS ➡ kommunistische Partei
Menschewiki - rechter Flügel der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei nach der Spaltung auf dem 2. Parteitag 1903; im Gegensatz zu den Bolschewiki (➡ kommunistische Partei) vertraten sie das Konzept einer demokratisch organisierten Massenpartei (nach deutschem Muster); als Gegnernt;

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der Oktoberrevolution wurden sie seit 1918 in die Illegalität, schließlich in die Emigration gedrängt.
Militärisches Revolutionskomitee - Organ des Petrograder Sowjet und faktische Organisationszentrale für die Vorbereitung und Durchführung des bewaffneten Aufstandes im Herbst 1917; nach seinem Vorbild wurden Militärische Revolutionskomitees auch in der Provinz gebildet; nach Festigung der Macht im Dezember 1917 aufgelöst.
NEP - russ. Abk. für »Neue Ökonomische Politik«
NKGB - russ. Abk. für Volkskommissariat für Staatssicherheit;
➡ Schaubild 12 über die Sicherheitsorgane im Anhang.
NKVD - russ. Abk. für Volkskommissariat des Inneren
Oberster Sowjet der UdSSR - nach der Verfassung von 1936 direkt gewähltes, höchstes Staatsorgan der Sowjetunion; bestehend aus 2 Kammern, Unions- und Nationalitätenrat; tritt an die Stelle von ➡ Rätekongreß und –»Zentralem Exekutivkomitee der UdSSR; 1937 über 1100, Anfang der achtziger Jahre etwa 1500 Mitglieder.
OGPU ➡ Staatliche Politische Verwaltung
Parteitag - auch Parteikongreß genannt, ist nach den Statuten oberstes Parteiorgan; bis 1934 war er nach den Statuten jährlich einzuberufen (was in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre nicht eingehalten wurde); seit 1934 lautet die entsprechende Formulierung »einmal in 3 Jahren«, seit 1952 »einmal in 4 Jahren«.
Politbüro - vom ➡ Zentralkomitee gewähltes Führungsorgan der Partei; im Oktober 1917 gegründet, wurde es zur festen Institution seit März 1919; es umfaßte seither den inneren Kern der Parteiführung (19195 Mitglieder und 3 Kandidaten, 1939 9 Mitglieder und 2 Kandidaten); 1952 aufgelöst, wurde es 1966 erneut gegründet.
Präsidium des Obersten Sowjet der UdSSR - von beiden Kammern des ➡ Obersten Sowjet gemeinsam gewählt, übt es faktisch dessen Kompetenzen zwischen den (kurzen) Tagungsperioden aus; sein Vorsitzender nimmt die Funktionen eines Staatsoberhauptes wahr; als eine Art »kollektives Staatspräsidium« ist es mehr als ein bloßes Parlamentspräsidium.
Rat für Arbeiter- und Bauernverteidigung - auch einfach Rat für Verteidigung, höchstes außerordentliches Staatsorgan während der Zeit des Bürgerkrieges 1918-1920; im April 1920 in ➡ Rat für Arbeit und Verteidigung umbenannt und

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im Dezember zur bloßen Kommission des ➡ Rates der Volkskommissare zurückgestuft.
Rat für Arbeit und Verteidigung - russ. Abk. STO, Organ des Rates der Volkskommissare; 1920 aus dem ➡ Rat für Arbeiter- und Bauernverteidigung hervorgegangen; mit Koordinierungsfunktionen zwischen Wirtschaftsentwicklung und militärischen Belangen; 1937 aufgelöst.
Rat der Volkskommissare - russ. Abk. SNK oder Sovnarkom;
nach den Verfassungen von 1918, 1923/24 und 1936 höchstes Exekutivorgan, vom ➡ Zentralen Exekutivkomitee gewählt und ihm auch verantwortlich; im Oktober 1917 als »Provisorium« geschaffen, wurde der Rat nach Auflösung der Konstituierenden Versammlung offizielle »Arbeiter- und Bauernregierung«; 1946 in »Ministerrat« umbenannt.
Rätekongreß ➡ Allrussischer Rätekongreß (Sowjetkongreß)
RKI ➡ Arbeiter- und Bauerninspektion
RKP/b - offizieller Name (Abk.) der ➡ kommunistischen Partei 1918 - 1925.
Rote Arbeiter- und Bauernarmee - auch einfach Rote Armee, russ. Abk. RKKA; Januar 1918 gegründet; ursprünglich als Miliz geplant, wurde sie schon in den zwanziger Jahren zur Kaderarmee ausgebaut; 1946 in »Sowjetische Armee« umbenannt, bildet sie seither mit der »Sowjetischen Flotte« (bis 1946 »Rote Arbeiter- und Bauernflotte«) die »Streitkräfte der UdSSR«.
Sozialrevolutionäre - russ. Abk. SRy; die Partei der Sozialrevolutionäre wurde 1901 als Zusammenschluß verschiedener sozialrevolutionärer Gruppierungen gegründet; Ziel war die Gewinnung aller »arbeitenden Massen«, aber die größte Resonanz fand sie in der Bauernschaft, zu deren Partei sie wurde und an deren Forderungen sich ihr Programm orientierte; seit Mai 1917 an der Provisorischen Regierung beteiligt, unterstützte der Linke Flügel vorübergehend (in einer Regierungskoalition bis Frühjahr 1918) die bolschewistische Oktoberrevolution; seit einem (mißglückten) Auf standsversuch im Sommer 1918 verfolgt, wurden die Reste der Parteiorganisation Anfang der zwanziger Jahre zerschlagen.
Staatliche Politische Verwaltung - russ. Abk. GPU, 1922 an Stelle der CK gegründete Sicherheitsabteilung im Volkskommissariat des Inneren; seit 1923, nach Gründung der Sowjetunion, als »Vereinigte Staatliche Politische Verwaltung« (OGPU) selbständige Organisation, deren Leiter dem -»Rat

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der Volkskommissare angehörte; im Juli 1934 dem neugegründeten Volkskommissariat des Inneren der UdSSR eingegliedert.
Staatliches Verteidigungskomitee, Staatskomitee für Verteidigung - höchstes außerordentliches Staatsorgan während der Zeit des Zweiten Weltkrieges; im Juni 1941 unter dem Vorsitz Stalins gegründet; im September 1945 wieder aufgelöst.
Stalinverfassung – im Dezember 1936 erlassene Staatsverfassung, die die Verfassung der UdSSR von 1923/24 ablöste.
VKP/b - offizieller Name (Abk.) der ➡ kommunistischen Partei 1925-1952.
VLKSM^ Komsomol
Zentrale Kontrollkommission - russ. Abk. CKK, 1920-1934 höchstes Kontrollorgan innerhalb der Partei (mit lokalen Untergliederungen); 1920 umfaßte die CKK nur 7 Mitglieder, 1930 fast 200; seit 1923 mit der ➡ Arbeiter- und Bauerninspektion verbunden.
Zentrales Exekutivkomitee - russ. Abk. CIK, 1917- 1936 nach der Verfassung höchstes Staatsorgan zwischen den ➡ Rätekongressen, von denen es gewählt wurde und denen es verantwortlich war; das Allrussische Zentrale Exekutivkomitee (VCIK) wurde dabei 1922 vom Zentralen Exekutivkomitee der Sowjetunion (CIK SSSR) abgelöst, während das VCIK nurmehr für die RSFSR zuständig blieb; im Oktober 1917 umfaßte es etwa 100 Mitglieder (VCIK), 1935 über 750 (CIK SSSR); ursprünglich ein permanent tagendes Gremium, wurde es seit Anfang der dreißiger Jahre nur dreimal zwischen den Rätekongressen einberufen, wobei sich viele Funktionen auf das Präsidium verlagerten; seit 1924 bestand das Zentrale Exekutivkomitee aus 2 Kammern, Unions- und Nationalitätenrat.
Zentralkomitee - russ. Abk. CK, im Deutschen auch ZK, nach den Statuten höchstes Parteiorgan zwischen den Parteitagen, von denen es gewählt wird und denen es verantwortlich ist;
im Oktober 1917 bestand es aus 21 Mitgliedern und 10 Kandidaten; bis 1939 wuchs es auf 71 Mitglieder und 68 Kandidaten, Anfang der achtziger Jahre umfaßte es über 300 Mitglieder und über 150 Kandidaten; parallel zur Größe wuchs die Bedeutung seiner Unterorgane ➡ Politbüro, Organisationsbüro (Orgbüro) und Sekretariat.

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Band 1: Staat und Partei

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