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Der Bayerische Landtag vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart

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Vorwort des Präsidenten des Bayerischen Landtags

"Die Geschichte des Bayerischen Landtags kann sich in der deutschen Geschichte sehen lassen; sie wird sich auch in Zukunft sehen lassen können. Es wäre vielleicht gut und nützlich für Deutschland, diese Geschichte wäre mehr bekannt und weniger entstellt." Diese Worte hat der ehemalige Ministerpräsident und Landtagspräsident Hans Ehard vor 46 Jahren in der ersten Sitzung des Bayerischen Landtags im Maximilianeum gesprochen. Sie treffen im Kern eine Aufgabe, die der Geschichtswissenschaft und der Politik gestellt ist, nämlich zu erforschen, woher wir kommen, um zu erkennen, wohin wir gehen sollen. Ich begrüße es, daß die vorliegende Veröffentlichung im Sinne Hans Ehards die Geschichte unserer Volksvertretung einem größeren Kreis "bekannt" macht. Ferner können die Erträge der Veranstaltung auch "gut und nützlich" für die Politik sein.
"Geschichte und Tradition sind für die Parlamente wichtige Mittel der Legitimation." Diese Aussage Karl Bosls gilt im besonderen für unser Parlament, das sich über Jahrhunderte als lebendiger Träger bayerischer Staatlichkeit und bayerischen Selbstbewußtseins behauptet hat und heute noch erfolgreich behauptet. Wir sind stolz darauf, daß der Bayerische Landtag eines der ältesten Parlamente in Deutschland ist und in der Entwicklung des europäischen Parlamentarismus mit an der Spitze steht. Bekanntlich reichen seine Anfänge bis ins 14. Jahr-
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hundert zurück. Dem nachzuspüren und verstärkt das Augenmerk auf das Ständewesen als einer "Vorschule des Parlamentarismus" zu richten, ist das Verdienst der Geschichtswissenschaft - und im besonderen bayerischer Historiker. Sie rücken ins Bewußtsein, daß die Tradition des Freistaats nicht nur eine königlich-bayerische, sondern auch eine parlamentarisch-konstitutionelle Seite hat. Dies setzt einen reizvollen Kontrapunkt zum 'Königsjahr 1995', das eine Reihe von monarchischen Gedenktagen und Jubiläen verzeichnet.
Vor 50 Jahren nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs war es eine sehr schwere Aufgabe, wieder eine funktionsfähige parlamentarische Demokratie aufzubauen. Damals konnten sich nur die wenigsten vorstellen, daß bereits nach anderthalb Jahren wieder Länder wie Bayern mit einer Verfassungsordnung und einem funktionierenden Parlament existieren würden. Die parlamentarischen Anfänge spiegelten die Not und das Elend jener Zeit wider. Auch die Parlamentarier mußten in Provisorien ihre Arbeit aufnehmen. Die Konstituierende Sitzung des ersten Landtags am 16. Dezember 1946 fand in der ungeheizten Aula der Münchner Universität statt. Die Anfangsschwierigkeiten konnten bewältigt werden, weil sich die gewählten Frauen und Männer mit großem Einsatz an die vor ihnen liegenden Aufgaben machten.
Der parlamentarische Neubeginn in Bayern nach 1945 konnte an eine lange und beständige demokratische Tradition anknüpfen. Darauf verweist die Präambel der Bayerischen Verfassung von 1946, in der unter anderem von der mehr als tausendjährigen Geschichte des bayerischen Volkes die Rede ist. Wir, die wir uns heute seit nunmehr fast fünf Jahrzehnten unter dem Dach dieser Bayerischen Verfassung häuslich eingerichtet haben, sollten uns bewußt sein, daß die Geschichte die Mauern und die Fundamente bildet, auf denen die parlamentarischen Strukturen unseres Landes aufbauen. Im besonderen die jüngere Generation ist dazu aufgerufen, die geschichtlichen Wurzeln kennenzulernen. Denn es dient der Stärkung und Festigung der parlamentarischen Demokratie, die Errungenschaften unserer staatlichen Ordnung im Spiegel ihrer historischen Entwicklung ins Bewußtsein der Bürgerinnen und Bürger zu rücken.
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Die vorliegenden wissenschaftlichen Beiträge können ein vertieftes Verständnis der parlamentarischen Entwicklung fördern. Dafür danke ich allen Teilnehmern des Kolloquiums, an der Spitze dem 'Hausherrn' des Instituts für Bayerische Geschichte, Herrn Professor Walter Ziegler, der zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Tagung am Sitz des Parlaments organisiert und durchgeführt hat.
Ich hoffe und wünsche, daß die Erträge der wissenschaftlichen Veranstaltung im Maximilianeum den 'Forschungsgegenstand Parlament' weiter erhellen und Impulse für künftige Untersuchungen geben.
Johann Böhm
Präsident des Bayerischen Landtags
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